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13. Mai 2021

Jonathan Littell

Die Wohlgesinnten

3* lesenswert

Hochkomplexer Holocaust-Roman

Was der amerikanischen Schriftsteller Jonathan Littell mit seinem auf französisch geschriebenen Roman «Die Wohlgesinnten» geschaffen hat ist eine literarische Provokation. Über den Holocaust aus Täterperspektive zu schreiben wurde als unverzeihlicher Tabubruch gescholten, den sich wohl auch nur ein nicht-deutscher Autor leisten könne. So einmalig ist dieser Tabubruch allerdings nicht, in «Der Nazi und der ... [weiterlesen]

 

12. Mai 2021

Gilles Leroy

Alabama Song

4* erfreulich

Adieu Zelda, es war mir eine Ehre

Mit dem Prix Goncourt für seinen Roman «Alabama Song» ist dem französischen Schriftsteller Gilles Leroy 2007 der Durchbruch gelungen. Der mit nur zehn Euro dotierte Preis ist quasi ein literarischer Ritterschlag, er bedeutet regelmäßig einen anhaltenden, lukrativen Bestsellerstatus in Frankreich. Die deutsche Ausgabe erschien ein Jahr später als erst drittes Buch aus seinem umfangreichen Œuvre, das in ... [weiterlesen]

 

10. Mai 2021

Hans Pleschinski

Am Götterbaum

2* mäßig

Blitzlicht auf einen vergessenen Poeten

In seinem neuesten Roman «Am Götterbaum» widmet sich Hans Pleschinski zum dritten Mal einem deutschen Nobelpreisträger für Literatur. Nach Thomas Mann in «Königsallee» und Gerhart Hauptmann in «Wiesenstein» wird hier Paul Heyse in den Blick genommen. Der literarisch der Postmoderne zugerechnete Autor erzählt mit Lust am Fabulieren von der Initiative dreier engagierter Damen ... [weiterlesen]

 

7. Mai 2021

Michael Maar

Die Schlange im Wolfspelz

4* erfreulich

Von den Ursachen getrübter Lesefreude

Die Reihe nützlicher Sachbücher zum Thema Literatur ist von Michael Maar mit «Die Schlange im Wolfspelz», einem bei Eva Menasse entlehnten Titel, jüngst um ein populäres Werk ergänzt worden. Der Untertitel «Das Geheimnis großer Literatur» weist auf das durchaus ambitiöse Vorhaben hin, Licht ins Dunkel der Buchstabenkunst zu bringen. Wobei der Autor sich als Germanist, wen wundert’s, auf die ... [weiterlesen]

 

4. Mai 2021

Norbert Gstrein

Der zweite Jakob

3* lesenswert

Zum Nutzen des eigenen Schadens

Der österreichische Schriftsteller Norbert Gstrein, der in wenigen Tagen sechzig Jahre alt wird, hat sich mit seinem soeben erschienenen Roman «Der zweite Jakob» quasi selbst ein Geburtstags-Geschenk gemacht. Und so beginnt das Buch denn auch mit den Worten «Natürlich will niemand sechzig werden», die das Lebensgeständnis eines alternden Schauspielers einleiten. Man könnte einen ... [weiterlesen]

28. April 2021

Patrick Modiano

Unsichtbare Tinte

4* erfreulich

Vexierspiel der Erinnerung

Der französische Nobelpreisträger Patrick Modiano hat mit seinem neuesten Roman «Unsichtbare Tinte» wieder ein Werk vorgelegt, in dem das Erinnern thematisiert wird. Die Jury in Stockholm hatte ihm 2014 den Preis «Für die Kunst des Erinnerns» verliehen. Der Buchtitel spielt darauf an, dass manche versteckte Botschaft erst durch äußere Einflüsse wieder entschlüsselt und damit ins Bewusstsein zurückgerufen werden ... [weiterlesen]

 

27. April 2021

Ernst-Wilhelm Händler

Welt aus Glas

1* miserabel

Literarische Bußübung

Ernst-Wilhelm Händler spürt in seinem Roman «Welt aus Glas» den großen Themen der Menschheit nach, wobei ihm die Glaskunst als Vehikel dient für seine Geschichte. Was in Hesses «Glasperlenspiel» als Überwindung einer lebensfeindlichen Bildungselite angelegt ist, das wird hier als Kapitalismuskritik mittels einer dekorativen Kunstgattung thematisiert. Mit seiner Detailfülle dürfte der dickleibige Roman besonders für ... [weiterlesen]

 

24. April 2021

Martin Kluger

Der Vogel, der spazieren ging

4* erfreulich

Leichtfüßig mit Tiefsinn

In seinem satirischen Roman «Der Vogel, der spazieren ging» erzählt Martin Kluger mit viel Witz eine jüdische Familiengeschichte, deren überbordende Lebensfülle von einer verborgener Tragik überschattet ist, welche aber nur sehr vage angedeutet wird. Man merkt dem Plot an, dass sein Verfasser auch Erfahrungen als Drehbuch-Autor hat, viele Szenen sind geradezu filmreif. Wobei hier der ... [weiterlesen]

 

20. April 2021

Markus Ostermair

Der Sandler

3* lesenswert

Über die Ekelgrenze hinaus

Mit einer eher ungewöhnlichen Thematik überrascht Markus Ostermair in seinem jüngst erschienenen Debütroman «Der Sandler», wobei der Titel nur Bayern und Österreichern verständlich sein dürfte. Er steht nämlich für Obdachlose, umgangssprachlich abwertend auch als Penner oder Berber bezeichnet, in der mobilen Variante als Nichtsesshafte, Vagabunden, Tippelbrüder oder Landstreicher bezeichnet, mit ideell ... [weiterlesen]

 

15. April 2021

Atiq Rahimi

Stein der Geduld

5* erstklassig

Vom Ende der Geduld

Der in Kabul geborene Schriftsteller Atiq Rahimi hat für seinen dritten Roman «Stein der Geduld» 2008 den Prix Goncourt bekommen. «Sein erschütterndes Buch berührt unser Herz» hat die Buchpreis-Jury dazu angemerkt. Wie schon in anderen seiner Werke thematisiert auch dieser inzwischen verfilmte, schmale Band die unterwürfige Rolle der Frau in der patriarchalischen Gesellschaft ... [weiterlesen]

 

14. April 2021

Marie NDiaye

Drei starke Frauen

3* lesenswert

Fanal der Selbstbehauptung

Die erfolgreiche französische Schriftstellerin Marie NDiaye hat mit «Drei starke Frauen» ganz offensichtlich einen Nerv der Zeit getroffen, das als Roman deklarierte Buch wurde 2009 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. In Frankreich war es, trotz seiner eher deprimierenden, feministischen Thematik, ein auch politisch aufgeladener Bestseller. Gemeinsam ist den Frauen in den nur sehr lose verbundenen drei Erzählungen ... [weiterlesen]

 

11. April 2021

Karl-Heinz Ott

Ob wir wollen oder nicht

4* erfreulich

Alles eine Frage der Sprache

Karl-Heinz Ott hat für seinen dritten Roman «Ob wir wollen oder nicht» eine stilistisch eigenständige Form gefunden, die er im Interview als «Gedankenmusik» bezeichnet hat. Er benutzt sie, um mit Hilfe von Rhythmus und Wortklang die Seelenzustände seines Protagonisten wahrnehmbar zu machen, sie regelrecht anklingen zu lassen. In einem geradezu manisch wirkenden , inneren Monolog offenbart  ... [weiterlesen]

 

8. April 2021

Alexis Jenni

Die französische Kunst des Krieges

3* lesenswert

Illusionistische Multikulti-Euphorie

Als ‹Sonntagsschreiber›, wie er sich selbst bezeichnet hat, ist dem französischen Schriftsteller Alexis Jenni nach mehreren erfolglosen Versuchen mit seinem 2011 veröffentlichten Romandebüt «Die französische Kunst des Krieges» ein Bestseller gelungen. Das imposante Epos gewann den Prix Goncourt und wurde wegen seiner Täterperspektive mit »Die Wohlgesinnten» von Littel verglichen. Ein Vergleich ... [weiterlesen]

 

2. April 2021

Éric Vuillard

Die Tagesordnung

3* erfreulich

Desavouierendes Hohngelächter

Der französische Schriftsteller Éric Vuillard hat mit der Erzählung «Die Tagesordnung» den erzwungenen Anschluss Österreichs thematisiert, wobei er, wie schon in anderen seiner Werke, auch hier ein geschichtliches Ereignis und seine Folgen in extrem verknappter Form neu erzählt. Insoweit kann er als legitimer Nachfolger von Stefan Zweig angesehen werden, der dieses Genre mit seiner Sammlung «Sternstunden ... [weiterlesen]

 

31. März 2021

Lydie Salvayre

Weine nicht

2* mäßig

Holzschnittartige Erzählweise

Der Roman «Weine nicht» der französischen Schriftstellerin Lydie Salvayre hat den Spanischen Bürgerkrieg zum Thema. Als Tochter nach Frankreich geflüchteter Spanier erzählt sie in diesem 2014 mit dem Prix Goncourt prämierten Roman aus der anarchistischen Anfangsphase dieser brutalen Kämpfe im Sommer 1936, basierend auf den mündlichen Überlieferungen ihrer katalanischen ... [weiterlesen]

 

28. März 2021

Raphaela Edelbauer

DAVE

1`miserabel

Alles völlig sinnfrei

In ihrem zweiten Roman «DAVE» entwickelt die österreichische Schriftstellerin Raphaela Edelbauer eine verstörende Dystopie, bei der es um Künstliche Intelligenz geht. Die gigantisch angewachsene Menschheit erhofft sich mit Hilfe eines Supercomputers, der technisch alles Dagewesene bei weitem übertrifft, den selbst verursachten Zusammenbruch aller Lebens-Grundlagen zu überwinden. Was ... [weiterlesen]

 

25. März 2021

Katia Bohlander-Sahner

Vom Schwimmen in freien Gewässern

4* erfreulich

Wie das Leben halt so spielt

Der zweite Roman von Katia Bohlander-Sahner betont mit seinem auf dem Cover wunderbar treffend illustrierten Titel «Vom Schwimmen in freien Gewässern» auf das Uneingeengte hin, das einen richtigen See vom Schwimmbad unterscheidet. Diese Thematik ist hier angewandt auf die Geschichte eines Mannes, der nach einigen familiären Schicksals-Schlägen seine große Liebe trifft und ... [weiterlesen]

 

23. März 2021

Leïla Slimani

Dann schlaf auch du

2* mäßig

Keine einfachen Wahrheiten

Die gebürtige Marokkanerin Leïla Slimani hat mit ihren zweiten Roman «Dann schlaf auch du» - als jüngste Preisträgerin bisher - 2016 den in Frankreich hoch angesehenen Prix Goncourt gewonnen. Es dreht sich, wie schon in ihrem ersten, ebenfalls erfolgreichen Roman, um das Thema Frausein und Muttersein in der modernen Gesellschaft. Mit ihrem knallhart an den Beginn gesetzten ersten Satz «Das Baby ist ... [weiterlesen]

 

21. März 2021

Martin Mosebach

Krass

3* lesenswert

Sic transit gloria mundi

Im neuen Roman von Martin Mosebach mit dem deskriptiven Titel «Krass» steht ein Machtmensch gleichen Namens auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Krass ist aber auch, adjektivisch wohlgemerkt, der aberwitzige Plot des umstrittenen Büchner-Preisträgers, in dem der Zufall fröhliche Urständ feiert. Wie oft bei diesem Autor ist es eine Geschichte vom Scheitern, hier als Psychogramm eines narzisstischen ... [weiterlesen]

 

18. März 2021

Ivo Andrić

Insomnia

3* lesenswert

Vom Bruder des Todes

Im Nachlass des jugoslawischen Schriftstellers Ivo Andrić fanden sich Notizbücher mit etwa 1500 Einträgen, von denen Michael Martens unter dem Titel «Insomnia» im vorliegenden Band mehr als zweihundert neu übersetzt herausgegeben hat. Der Nobelpreisträger von 1961 litt an Schlaflosigkeit, gehörte als Oneironaut jedoch zu jenen Menschen, die sich im Klaren sind, dass sie träumen und diese Klarträume ... [weiterlesen]

 

15. März 2021

Theodor Fontane

Effi Briest

5* erstklassig

Ein weites Feld

Von den Meisterwerken Theodor Fontanes ist sein 1896 erschienener Roman «Effi Briest» das bekannteste, es gibt Theater-Adaptionen und nicht weniger als sechs Verfilmungen dieses Klassikers. Inspiriert wurde der Autor durch einen authentischen Fall, den er deutlich abgeändert als Vorlage benutzt hat. Sein dem bürgerlichen Realismus verpflichteter Gesellschafts-Roman ist ... [weiterlesen]

 

11. März 2021

Michel Houellebecq

Karte und Gebiet

3* lesenswert

Mit ministerieller Leseempfehlung

Auch in seinem 2010 mit dem Prix Goncourt prämierten Roman «Karte und Gebiet» greift Michel Houellebecq auf für ihn typische Motive zurück, er kritisiert den wuchernden Kapitalismus ebenso wie die bindungsarme, selbstverliebte Konsum-Gesellschaft zu Beginn des 21ten Jahrhunderts. Deren Dekadenz wird hier aber etwas weniger bissig angeprangert, der Ton des Enfant Terrible der französischen ... [weiterlesen]

 

8. März 2021

Jérôme Ferrari

Predigt auf den Untergang Roms

3* lesenswert

Ein kühnes Unterfangen

Mit dem Roman «Predigt auf den Untergang Roms» hatte Jérôme Ferrari 2012 seinen Durchbruch als Schriftsteller, er gewann den Prix Goncourt, die wichtigste literarische Auszeichnung Frankreichs. Wie in seinen anderen Werken geht es auch hier um das Scheitern, schon der Titel spielt ja auf die Warnung von Augustinus an, der von der Überheblichkeit der Römer und vom Untergang des ... [weiterlesen]

 

5. März 2021

Iris Hanika

Treffen sich zwei

1* miserabel

Love it or leave it

Mit dem deskriptiven Titel «Treffen sich zwei» hat Iris Hanika die Thematik ihres Romans bereits angedeutet, es geht um Zweisamkeit in konventioneller Form, in der heterosexuellen also. Ein ‹weites Feld› mithin, und ein reichlich beackertes zugleich, die Zahl die Liebesromane ist ja Legion. Umso kühner also der Versuch der Autorin, diesem abgedroschenen Thema, jenseits der Herz/Schmerz-Trivialität ... [weiterlesen]

 

3. März 2021

Rolf Lappert

Nach Hause schwimmen

3* lesenswert

Alles andere als literarisch frigid

Mit seinem fünften Roman «Nach Hause schwimmen» ist der Schweizer Schriftsteller Rolf Lappert von der Jury des Frankfurter Buchpreises 2008 auf die Longlist gewählt worden, er wurde damit erstmals einem größeren Lesepublikum bekannt. Das Werk wurde im gleichen Jahr auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet, es ist sein bisher größter Erfolg. Auch sieben Jahre später war er mit ... [weiterlesen]

 

28. Februar 2021

Peter Handke

Die morawische Nacht

3* lesenswert

Bilanz eines verbiesterten Dichterlebens

In «Die morawische Nacht» erzählt Peter Handke von der selbstkritischen Lebensbilanz eines namenlosen Ex-Schriftstellers, in der sich zwar etliche Parallelen zum Autor zeigen, die aber kaum autobiografisch gedeutet werden können. Der Buchtitel bereits weist mit der Morava als Nebenfluss der Donau auf den Balkan hin, und so ist denn der Ort der Rahmenhandlung tatsächlich ein Hausboot, auf das ... [weiterlesen]

 

23. Februar 2021

Karen Duve

Taxi

3* lesenswert

Existenzielle Trostlosigkeit

«Taxi» von Karen Duve geht auf ihre Tagebücher aus mehr als 13 Jahren als Hamburger Taxifahrerin zurück. Sie hatte dieses Material zu einem als ihr Debüt geplanten 800-Seiten-Roman kompiliert, es fand sich jedoch kein Verleger dafür. Später hat sie ihre autobiografische Geschichte von den Erlebnissen der «Zwodoppelvier», wie sie im Jargon der Taxifunk-Zentrale mit der Kennnummer ihres ... [weiterlesen]

 

21. Februar 2021

Don DeLillo

Die Stille

2* mäßig

Die Stille im Kopf des Lesers

Der neueste Roman des Postmodernisten Don DeLillo mit dem deskriptiven Titel «Die Stille» wird oft als Dystopie missverstanden. Diese einen einzigen Tag des Jahres 2022 schildernde Erzählung ist eine nüchterne Zustandsbeschreibung, keine negative Zukunftsvision. Plakativ könnte man es so umschreiben: Nehmt doch mal allen Leuten ihre Smartphones weg und schaut, was dann passiert! Der amerikanische ... [weiterlesen]

 

19. Februar 2021

Nora Bossong

Schutzzone

1* miserabel

Einsames Nilpferd

Lobhudelei beim Feuilleton und weitgehende Ablehnung bei den Leserkritiken kennzeichnen den Roman «Schutzzone» von Nora Bossong, der 2019 immerhin für den Frankfurter Buchpreis nominiert wurde. Schon mit dem Titel, mehr noch mit dem treffend gewählten Titelbild, wird auf die Vereinten Nationen hingewiesen, und damit auf eine literarisch noch wenig erschlossene Thematik. Was denn ... [weiterlesen]

 

16. Februar 2021

Franz Werfel

Das Lied von Bernadette

4* erfreulich

Denkwürdig

Der erfolgreichste Roman von Franz Werfel, «Das Lied von Bernadette», entstand aufgrund eines Gelübdes, das der österreichische Schriftstellers auf der Flucht vor den Nazis im Juni 1940, während seines kurzen Zwischen-Aufenthalts im Wallfahrtsort Lourdes, in großer Bedrängnis abgelegt hatte: Er würde einen Roman über das Wunder von Lourdes schreiben, wenn er das rettende Amerika erreicht ... [weiterlesen]

 

 

 

 

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Letzte Bearbeitung am 13.05.2021