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Meine Empfehlungen

Mit kugelsicherer Weste verkündet

 

13Aus Pleiten anderer sollte man ja eigentlich lernen, aber ich bin da völlig unerschrocken, denn auch ich möchte hier ein paar Autoren und Bücher nennen, die zur Literatur gehören wie das kleine Einmaleins zur Mathematik. Sie sind gemeinsame Basis für das Verständnis, man begegnet ihnen immer wieder und sollte dann auch wissen, wovon geredet wird, was gemeint ist. Schon im ersten Satz von Milan Kunderas wunderbarem Roman «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» zum Beispiel taucht Nietzsche auf, aber Hand aufs Herz, wer hat denn schon mal etwas von ihm gelesen, kennt vielleicht sogar Nietzsches Biografie? «Also sprach Zarathustra» oder «Die fröhliche Wissenschaft» wären zwei Werke von ihm, die man ruhig mal lesen sollte, den oben zitierten Roman von Milan Kundera, das sei am Rande erwähnt, übrigens auch gleich mit. So kann es einen also fortreißen als begeisterter Leser, - denn ich wollte an diesem kleinen Beispiel ja eigentlich nur illustrieren, warum man ein literarisches Fundament braucht.

 

Doch nun zu meiner literarischen Minimalliste! Ich habe inzwischen meine kugelsichere Weste angelegt und beginne mit meinen Leseempfehlungen, in allerstrengster Auswahl, versteht sich! Antike Autoren und fast alle Autoren vor dem Aufkommen des modernen Romans sind für uns heutigen Leser in der Regel schwer verdaulich. Das mag an der antiquiert erscheinenden Sprache liegen, am konventionellen Aufbau der Handlung, entscheidend aber ist der fehlende Erfahrungshintergrund, das unbekannte gesellschaftliche Terrain. Viele Feinheiten und Andeutungen bleiben dadurch wirkungslos, man versteht manches einfach nicht, und die behandelten Themen sind uns Heutigen meist ebenso fremd. Als ein Beispiel möchte ich «Die Leiden des jungen Werthers» nennen, diesen berühmten, 1774 erschienenen Roman Johann Wolfgang von Goethes, der seinen weltliterarischen Ruhm begründete, ja seinerzeit sogar eine Welle von Nachahmungstaten liebeskranker Jünglinge ausgelöst hat. 240 Jahre später ist dem heutigen Leser, mir jedenfalls, Goethes Prosa ziemlich fremd und unverständlich, er erscheint als Prosaautor allenfalls durchschnittlich, manche beurteilen ihn auf diesem Felde sogar schlichtweg als schlecht. Aber den «Faust», und zwar beide Teile, sollte man als Deutscher und als Literaturfan gelesen haben, auch wenn einem die Versform nicht liegt. Goethes Verse sind wirklich göttlich, selbst für Prosa-Leser wie mich, und als Zitatenquelle ist der «Faust» ja nun wirklich unübertroffen, ein paar der schönen Wortgebilde darf man ruhig in sein Repertoire aufnehmen! William Somerset Maugham hat ein Jahr lang in Heidelberg Philosophie studiert, die, wie er in fortgeschrittenem Alter erklärte, glücklichste Zeit seiner Jugend, und für den aufregendsten Augenblick seines Lebens hielt er jenen Moment, in dem er die erste Seite des «Faust» aufschlug. Dem ist nichts hinzuzufügen, mir ging es genauso!

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