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Die Kritiker

Oft hilfreich, aber eben nicht immer

 

9Womit wir beim Thema Kritiker angelangt sind, dem ich aus gutem Grunde von hier ab mehrere eigene Kapitel widmen will. Über ihre Rolle im Literaturbetrieb, über ihre Existenzberechtigung sogar, herrschen unterschiedliche Meinungen, wobei Konsens darüber bestehen dürfte, dass alle Feuilletons keineswegs unfehlbar sind und auch nicht wirklich neutral und objektiv bewerten, wie es eigentlich ihre Aufgabe wäre. Auch wenn solche klug formulierten Rezensionen ja oft den Eindruck erwecken, als wäre die Beurteilung sozusagen allgemeinverbindlich, da mit höchstmöglichem Sachverstand erarbeitet und hinreichend begründet. Kritiker-Heroen aus den Zeiten der Gruppe 47 in Deutschland waren Walter Jens, Joachim Kaiser und Marcel Reich-Ranicki, aber auch Helmuth Karasek, Sigrid Löffler, Iris Radisch und Elke Heidenreich sind als Literaturkritiker weithin bekannt, vor allem durch das Fernsehen. Äußerst lehrreich und deshalb zur Nachahmung empfohlen war für mich ganz persönlich die Lektüre der Lebenserinnerungen des dieser Tage verstorbenen Marcel Reich-Ranicki, aber ebenso informativ auch die von Helmut Karasek, man bekommt tiefe Einblicke in die Welt der Literatur und erhält en passant immer wieder Anregungen für die eigene Leseliste.

 

Bei allem Respekt vor dem Sachverstand von Literaturprofis muss man sich aber stets darüber im Klaren sein, dass alle Wertungen mehr oder weniger subjektiv sind, ganz selbstverständlich die eigenen Präferenzen und auch Vorurteile des Kritikers widerspiegeln, denn der ist auch nur ein Mensch! Seine Begeisterung oder Ablehnung bestimmter Autoren und Themen hat ebenfalls Einfluss auf sein Urteil, ja sogar nationale Animositäten spielen da hinein. Ein gutes Beispiel hierfür ist die generelle Abneigung des Nobelkomitees US-amerikanischer Literatur gegenüber, die, einer Äußerung des schwedischen Vorsitzenden zufolge, pauschal, also für alle Autoren gleichermaßen, als zu trivial beurteilt wird, um mit dem begehrten Nobelpreis geehrt zu werden. Wie wahr, kann ich nebenbei nur anmerken, auf viele der allseits bekannten Autoren trifft das ganz bestimmt auch zu, da haben die Juroren in Schweden schon recht. Hier Namen zu nennen verbietet sich aber für mich, so sehr es mir auch in den Fingern juckt. Schließlich haben diese oft sehr erfolgreichen Autoren auch in Deutschland eine ziemlich große Fangemeinde, womöglich sogar hier unter meinen Lesern. Wenn von denen aber einige jetzt - vielleicht ein ganz klein wenig nachdenklich geworden sind, wäre das ja immerhin schon mal ein Erfolg auf dem Weg zum guten Buch!  Mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an die Kanadierin Alice Munro hat das Komitee vor wenigen Tagen ja immerhin auch mal eine Autorin aus Nordamerika geehrt.

 

Das Internet, oft geschmäht als geisttötendes Medium von Leuten zumeist, die damit nicht umgehen können oder wollen, bietet eine Fülle neuer Kommunikationswege. Dazu gehört die Möglichkeit für jeden Leser, bei den großen Versandhändlern im Buchmarkt eigene Rezensionen zu schreiben und im Netz zu veröffentlichen. Dass da manchmal Blödsinn geschrieben steht, sollte uns nicht weiter stören, denn es gibt viel öfter ganz ausgezeichnete Kritiken von Leuten, die sich offensichtlich auskennen, man merkt das ja nach wenigen Zeilen. Es ist keine schlechte Idee, mal alle Kunden-Kritiken eines bestimmten Buches, welches man selbst besonders positiv bewertet, bei einem der Buchversender durchzusehen. Findet man  dabei dann Rezensionen, die die eigene Meinung recht gut widerspiegeln, sollte man anschließend mal alle Rezensionen des betreffenden Kunden abrufen. Man bekommt so eine komplette Leseliste aller von ihm beurteilten Bücher, und da sind bestimmt auch welche bei, die für einen selbst interessant sein könnten. Gute Laien-Kritiker können uns also auch wertvolle Anregungen geben, nutzen wir sie doch ebenfalls als literarische Pfadfinder!

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