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Börsenverein und Bestsellerlisten

Was als Orientierungshilfe taugt

 

7Weitaus ergiebiger als Hinweisgeber ist der deutsche Börsenverein-Buchpreis, für den die vorgeschlagenen Bücher ein zweistufiges Auswahlverfahren durchlaufen. Zunächst wird eine neudeutsch als Longlist bezeichnete Auswahl von zwanzig Büchern vorgestellt, die nach einiger Zeit in einem zweiten Wahlgang auf sechs Bücher reduziert wird, Shortlist genannt, aus der dann, wiederum nach einiger Zeit, der Gewinner ausgewählt wird. Weil der Börsenverein Preisstifter ist, erklärt sich auch das zeitaufwändige Auswahlverfahren mit jeweils vorab veröffentlichten Listen, dieses zeitlich ausgedehnte Verfahren dürfte nämlich äußerst förderlich sein für den Absatz aller genannten Bücher, schon lange vor der endgültigen Prämierung. Selbst wenn man diese zweifellos auch vorhandenen wirtschaftlichen Motive als fragwürdig ansieht, so ist man auf der Suche nach anspruchsvoller Lektüre doch gut beraten, den Sachverstand der Jury zu nutzen, deren Listen also genau zu studieren und sich über die einzelnen Bücher kundig zu machen. Und das gilt in gleicher Weise auch für die vielen anderswo prämierten Autoren und Bücher, im Inland wie im Ausland.

 

Was als Orientierung überhaupt nicht taugt, meist sogar kontraproduktiv ist, das sind die beliebten Bestsellerlisten, deren bekannteste allwöchentlich vom Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» veröffentlicht wird. Diese Liste ist expressis verbis, der Begriff Bestseller sagt es ja schon, kein Maßstab für Qualität, sondern für Quantität, sie listet lediglich nach Absatzzahlen sortiert die meistverkauften Bücher auf, was keinerlei Rückschlüsse über deren literarisches Niveau zulässt. Würde man nämlich Zeitungen nach der gleichen Methode einstufen, wäre «Bild» die beste Zeitung, die man in Deutschland kaufen kann. Einige ihrer treuen Leser dürften das sogar glauben! Preisfrage zwischendurch: Wer ist denn der auflagenstärkste deutsche Autor? Man wird es kaum glauben, aber von ihm sind weltweit ca. 200 Millionen Bände verkauft worden, ist er deswegen der beste Autor? Er heißt nämlich - Karl May! Die im Bereich der anspruchsvollen Literatur als ungeheuer erfolgreich geltenden «Buddenbrooks» sind weltweit etwa drei Millionen Mal verkauft worden, wahrhaft armselig dagegen und eine Zahl, bei der Joanne K. Rowling mit ihren Harry-Potter-Schmökern nur müde lächeln würde, ihre verkaufte Auflage beträgt laut Süddeutscher Zeitung ca. 450 Millionen.

 

Bestseller deuten, Ausnahmen bestätigen auch hierbei die Regel, also fast immer auf ein niedriges intellektuelles Niveau hin. Die überwiegende Anzahl der Menschen, die große Masse also, sofern sie denn überhaupt Bücher liest, ist nämlich mit wenig zufrieden, sucht leichtverdauliche Lektüre, mag das Gehirn nicht anstrengen, liest am liebsten ausgesprochen seichte Romane, - die dann die Bestsellerlisten füllen.

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