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Die Vorläufer

Dichtung in der Antike und davor

 

4Die Gier nach Geschichten und den Phantasien, die sie auslösen, ist vermutlich so alt wie die Menschheit, das «Gilgamesch-Epos» liefert uns schon um 1700 vor Christus ein schriftliches Beispiel solch früher Dichtungen. Mit Homers «Ilias» und «Odyssee» liegen uns 900 Jahre später zwei ehrfurchtgebietende Werke vor, die die Zeiten überdauert haben und heute noch gelesen werden. Welche zeitgenössischen Dichter wird man noch kennen, welche literarischen Werke unserer Zeit wird man noch lesen in 2.800 Jahren? Ich fürchte, extrem wenige, an einer Hand abzuzählen, - wenn überhaupt! Shakespeare hat das Zeug dazu mit seinen Dramen, und vielleicht ist auch Goethe mit dem «Faust» literarisch unsterblich, aber viel mehr ist da nicht, wenn man in solchen Zeiträumen denkt.

 

Vieles ist nur mündlich weitergegeben worden zu Zeiten der Antike und erst recht in den Zeiten davor, dem Dichter mit seinem Werk entsprach damals also der Geschichten sammelnde und vortragende Erzähler. Berühmteste Figur ist zweifellos Scheherazade, die durch ihr gekonntes Erzählen, glaubt man der Geschichtensammlung «Tausendundeine Nacht», sogar ihr Leben rettete. Hätte sie dafür nur die Gegenwartsliteratur, die Geschichten unserer Tage heranziehen können, wäre ihr ein schnelles Ende gewiss gewesen, sie hätte nicht lange überlebt! Auf jeden Fall war der Erzähler mit seinen Geschichten in der Antike gerngesehen und auch häufig anzutreffen, das gemeine Volk konnte ja nicht lesen. Aus dem gleichen Grund war das öffentlich aufgeführte Drama ebenfalls sehr beliebt, Erzähler und Schauspieler bewirkten damals das, was heute meistens und im großen Maßstab mit Literatur transportiert wird, arg bedrängt von Film und Fernsehen allerdings. Mit dem Hörbuch erlebt die Tradition des mündlichen Erzählens heutzutage eine erstaunliche Renaissance, ich komme darauf noch ausführlicher zurück. Dass die überlieferten frühen Erzählungen durch die mündliche Weitergabe von Generation zu Generation permanente Änderungen erfuhren liegt auf der Hand. Man kann das übrigens leicht nachvollziehen, wenn man eine Geschichte nach wenigen Zwischenstationen mal wieder hört und mit dem ursprünglichen Text vergleicht. Ähnliches gilt natürlich auch für den Witz, - aber das nur am Rande, wir wollen ja ernst bleiben!

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