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Ein Leben ohne Bücher ist möglich, aber sinnlos

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Leipziger Buchpreis 2020 Belletristik, zur Liste der Nominierten hier klicken

   29. Mai 2020

George Eliot

Middelmarch

5* erstklassig

 

Der Weg ist das Ziel

In Deutschland bis heute weitgehend unbekannt geblieben ist «Middelmarch», das 1871/72 in acht Fortsetzungen unter dem Pseudonym George Eliot erschienene Opus magnum von Mary Anne Evans mit dem Untertitel «Eine Studie über das Leben in der Provinz». Zum zweihundertsten Geburtstag der englischen Schriftstellerin sind 2019 gleich zwei Neuübersetzungen dieses ... [weiterlesen]

   23. Mai 2020

Ingo Schulze

Die rechtschaffenen Mörder

2* mäßig

 

Prinz Vogelfrei

In seinem neuen Roman «Die rechtschaffenen Mörder» stellt Ingo Schulze einen ebenso kauzigen wie charismatischen Antiquar in den Mittelpunkt. Ein Setting also, das bei einer ‹literarischen› Leserschaft durchweg angenehme Assoziationen auslösen müsste, dreht sich hier doch alles um anspruchsvolle, klassische Literatur. Handlungsort ist Dresden, zeitlich ist der Roman vor ... [weiterlesen]

   21. Mai 2020

Gottfried Keller

Der grüne Heinrich

5* erstklassig

 

Ein kanonischer Roman

Gottfried Kellers «Der grüne Heinrich» ist einer der berühmtesten Bildungsromane, das vierbändige Werk erschien in der ersten Fassung 1855/56 und war zunächst außerhalb der Schweiz so gut wie unbekannt. Er habe sich vorgenommen, so sein Autor, «einen kleinen traurigen Roman zu schreiben über den Abbruch einer jungen Künstlerlaufbahn». Gemeint war damit die eigene, ... [weiterlesen]

   13. Mai 2020

Anton Tschechow

Die Dame mit dem Hündchen

5* erstklassig

 

Ein leidenschaftsloser Zeuge

Der unter dem Titel «Die Dame mit dem Hündchen» erschienene Band von Anton Tschechow vereinigt eine Auswahl von dreizehn der späten Erzählungen aus dem Œuvre des berühmten russischen Schriftstellers. In vielen verarbeitet er dabei eigene Erfahrungen als Arzt und übt unverhohlen Kritik am feudalen System des zaristischen Russlands, er prangert aber auch den Stoizismus ... [weiterlesen]

   9. Mai 2020

David Mitchell

Der Wolkenatlas

3* lesenswert

 

Vom ‹Wie› und ‹Was›

Mit dem Roman «Der Wolkenatlas» hatte der britische Schriftsteller David Mitchell 2004 seinen literarischen Durchbruch, er ist bis heute sein bekanntestes und erfolgreichstes Werk, das mit seiner fragmentarischen Erzählweise charakteristisch für diesen Autor ist. So gibt es hier nicht nur sechs eigenständige Erzählebenen, fünf davon sind auch noch in jeweils zwei Hälften geteilt ... [weiterlesen]

   3. Mai 2020

E.T.A. Hoffmann

Die Elixiere des Teufels

3* lesenswert

 

Klösterliche Identitätssuche

Der erste Roman des vielseitig begabten E.T.A. Hoffmann, der erfolgreich als Jurist, Schriftsteller, Kapellmeister, Komponist und Zeichner tätig war, gilt als eines der bedeutendsten literarischen Werke der Schwarzen Romantik. In zwei Teilen 1815/16 erschienen, hat diese fiktive Autobiografie eines Kapuzinermönches zunächst eine sehr zwiespältige Aufnahme gefunden. Goethe ... [weiterlesen]

   29. April 2020

Antonio Manzini

Spitzentitel

3* lesenswert

 

Nestbeschmutzung

Mit «Spitzentitel» weist der italienische Schriftsteller Antonio Manzini in seiner gleichnamigen Novelle auf ein in der Branche beliebtes Schlagwort hin, das den Verlagen in ihrer Werbung für Neuerscheinungen dazu dient, ein Buch schon vor seinem Erscheinen hochzupushen. Dabei stehen jeweils die Starautoren im Fokus, Schriftsteller also, die eine Art Markenstatus besitzen aufgrund ihres Renommees ... [weiterlesen]

   28. April 2020

Gert Loschütz

Dunkle Gesellschaft

4* erfreulich

 

Im Bann der Untoten

Die «Dunkle Gesellschaft», ein «Roman in zehn Regennächten», wie es im Untertitel heißt, nimmt im vielseitigen Œuvre von Gert Loschütz durch seine virtuose Erzähltechnik eine Sonderrolle ein. Es ist ein Erinnerungsroman, der in zehn Kapiteln aus dem bewegten Leben eines Binnenschiffers erzählt, dem in jeder Episode immer wieder die schwarz gekleideten Männer und Frauen ... [weiterlesen]

   25. April 2020

Ilija Trojanow

Macht und Widerstand

2* mäßig

 

Ungleichheit als Nährboden

Mit dem Gegensatzpaar «Macht und Widerstand» hat Ilija Trojanow treffend bereits im Titel seines Romans den Kern seiner Geschichte umrissen. In Bulgarien stehen sich während der kommunistischen Diktatur der Apparatschik Metodi Popow als Geheimdienstagent und der Anarchist Konstantin Scheitanow unversöhnlich gegenüber, - selbst nach dem Fall des Eisernen ... [weiterlesen]

   21. April 2020

Kai Weyand

Applaus für Bronikowski

2* mäßig

 

Finale als Klamauk

Der zweite Roman «Applaus für Bronikowski» von Kai Weyand ist für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert worden, der bislang größte Erfolg für den Schriftsteller aus Freiburg. Durchaus ungewöhnlich ist das Milieu, in dem seine Geschichte angesiedelt ist und von der schon das Buchcover kündet, das Gewerbe der Bestattungsunternehmen. Eine sensible Thematik, die hier mit ... [weiterlesen]

   18. April 2020

Vladimir Vertlib

Lucia Binar und die russische Seele

3* lesenswert

 

Psychotherapeut ohne Waffenschein

Der österreichische Schriftsteller Vladimir Vertlib hat in seinem 2015 publizierten Roman «Lucia Binar und die russische Seele» nach der Migration als autobiografisch grundierte Thematik hier ein eher gesellschaftskritisches Thema aufgegriffen. Seine Geschichte ist im zweiten Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt angesiedelt, einst Zentrum des jüdischen Lebens in ... [weiterlesen]

   15. April 2020

Peter Richter

89/90

2* mäßig

 

Baseballschläger und Punkrock

Schon vom Titel her als Wende-Roman erkennbar, wurde Peter Richters autobiografisch geprägte Coming-of-Age-Geschichte «89/90» für den Frankfurter Buchpreis 2015 nominiert. Er gehört zu einem literarischen Genre, das sich offensichtlich großer Beliebtheit erfreut, auch der diesjährige Preisträger der Leipziger Buchmesse schildert ja in seinem prämierten Roman die ... [weiterlesen]

   8. April 2020

Marcel Reich-Ranicki

Für alle Fragen offen

4* erfreulich

 

Was ist gute Literatur?

Wenn jemand wie Marcel Reich-Ranicki ein Buch schreibt mit dem Titel «Für alle Fragen offen», dann darf man als literatursüchtiger Leser davon ausgehen, einige vergnügliche Lesestunden vor sich zu haben mit seiner Lektüre. Der 2009 erschienene Band mit dem Untertitel «Antworten zu Weltliteratur» enthält thematisch geordnet eine dreieinhalb Jahre zurückreichende Auswahl aus der ... [weiterlesen]

   7. April 2020

Steffen Kopetzky

Risiko

2* mäßig

 

Es lebe der Zufall

Mit dem Namen eines auf Clausewitz zurückgehenden, militärischen Strategiespiels deutet der Roman «Risiko» von Steffen Kopetzky auf sein Thema hin. Es handelt sich um die wie ein Hasardspiel anmutende Afghanistan-Expedition der Mittelmächte Deutschland und Österreich zu Beginn des Ersten Weltkriegs, die es als ‹Niedermayer-Hentig-Expedition› tatsächlich ... [weiterlesen]

   4. April 2020

Feridun Zaimoglu

Siebentürmeviertel

1* miserabel

 

Schlechte Übersetzung aus dem Türkischen?

Feridun Zaimoglu, Schriftsteller mit türkischen Wurzeln, hat in seinem zeitlich perfekt auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 erschienene Roman «Siebentürmeviertel» die Migration einmal aus reziproker Sicht dargestellt. Der sechsjährige Wolf nämlich, der seine Mutter früh verloren hat, muss 1939 mit seinem Vater vor der Gestapo aus Deutschland fliehen. Sie finden ... [weiterlesen]

   31. März 2020

Alexander Puschkin

Erzählungen

4* erfreulich

 

Augenzwinkern inklusive

In Russland gilt Alexander Puschkin als der Nationaldichter par excellence, mit seinem Œuvre war er stilbildend als Wegbereiter der nach 1812 statt in französisch zunehmend in Landessprache geschriebenen Literatur, zugleich aber auch Vorbild für viele andere berühmte Dichter des Landes. Als Lyriker, dessen bedeutendste Werke als Versepen geschrieben sind, wandte er ... [weiterlesen]

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Ein Leben ohne Bücher ist möglich, aber sinnlos

(Paris) Manchmal gehe ich an kleinen Läden vorbei, in der Rue de Seine etwa. Händler mit Altsachen oder kleine Buchantiquare oder Kupferstichverkäufer mit überfüllten Schaufenstern. Nie tritt jemand ein bei ihnen, sie machen offenbar keine Geschäfte. Sieht man aber hinein, so sitzen sie, sitzen und lesen, unbesorgt; sorgen sich nicht um morgen, ängstigen sich nicht um ein Gelingen, haben einen Hund, der vor ihnen sitzt, gut aufgelegt, oder eine Katze, die die Stille noch größer macht, indem sie die Bücherrücken entlang streicht, als wische sie die Namen von den Rücken. Ach, wenn das genügte: ich wünschte manchmal, mir so ein volles Schaufenster zu kaufen und mich mit einem Hund dahinter zu setzen für zwanzig Jahre.

 

Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

 

Textauszug © Suhrkamp Verlag

 

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Letzte Bearbeitung am 29.05.2020